Die Linse ist eine vollkommen transparente Struktur, die wie eine Zwiebel aufgebaut ist. Sie besteht aus Linsen-kern, -rinde und -kapsel. Ihre Funktion ist sowohl das Durchlassen von Licht, als auch die Lichtbrechung auf der Netzhaut.

Jede Trübung der Linse oder ihrer Kapsel wird als grauer Star oder Katarakt bezeichnet.

Zu ihrer näheren Beschreibung gibt es verschiedene Klassifikationsmöglichkeiten:

  • angeboren / erworben
  • erblich / nicht erblich
  • Reifestadium
  • Lokalisation in der Linse

Während die erbliche Form der Katarakt beim Menschen meistens angeboren ist, tritt sie beim Hund in der Regel erst bei jungen bis mittelalten Hunden auf. Im Gegensatz zum typischen Altersstar des Menschen, kommt eine Katarakt beim Hund gehäuft bei Jungtieren, zum Teil auch schon angeboren, vor. Viele Hunderassen, unter anderem auch der Labrador, haben eine erbliche Prädisposition zur Katarakt. Der Zeitpunkt ihres Auftretens, ihre Progredienz und ihr Ausprägungsgrad ist zwischen den Rassen und auch innerhalb der einzelnen Rassen sehr variabel.

Ähnlich der Katarakt beim Golden Retriever (Barnett KC, 1978) ist die typische Form beim Labrador auch eine meist beidseitige, hintere, subkapsuläre, dreieckige Katarakt. Selten und wenn dann langsam progressiv kann sie auch zur vollständigen Erblindung führen. Typisch ist auch ihr frühes Autreten zwischen dem 6. und 18. Monat. Weniger typische Formen beginnen in der Linsenrinde und schreiten bis zur vollständigen Trübung im Alter von 15 bis 18 Monaten fort. Bisher wurde ein dominanter Erbgang mit inkompleter Penetranz angenommen, aber vorläufige Ergebnisse von Studien aus den USA und den Niederlanden legen eher einen autosomal rezessiven Vererbungsmodus nahe.

In den Niederlanden ist die Häufigkeit von Katarakt von 14% in den 80ziger Jahren auf derzeit ca. 6 % zurückgegangen, wobei jedoch in den letzten 15 Jahren bereits eine Stagnation zu beobachten war. Prozentual kam bei 75 % der untersuchten Hunde ein klinisch irrelevanter hinterer, meist dreieckiger Polstar vor, während ungefähr 8 % der untersuchten Hunde eine zur Erblindung führende Katarakt hatten. Eine wichtige Erkenntnis aus dieser Studie ist auch, dass die Katarakt bei einem Drittel der untersuchten Hunde erst im Alter von mehr als 4 Jahren festgestellt wurde, als diese oft schon zur Zucht verwendet worden waren. Ebenfalls interessant war, dass aus Paarungen von zwei kataraktfreien Elterntieren immer noch 5 % der Nachkommen Katarakt hatten. Sobald jedoch mindestens ein Elternteil selbst Katarakt hatte stieg der Prozentsatz der an Katarakt erkrankten Nachkommen auf 10 % an. Ausserdem scheinen der hintere Polstar und die anderen Formen der Katarakt keine voneinander unabhängigen Probleme zu sein, sondern unterschiedliche Ausprägungsformen derselben Erkrankung. So vererbten Elterntiere, die die typische Form von Katarakt weitergaben (hinterer, dreieckiger Polstar) in 50 % der Fälle auch die untypischen Formen, und umgekehrt vererbten Elterntiere mit atypischem Star auch die rassetypische Form.
Prognostisch wichtig ist es bei vollständiger Linsentrübung, eine primäre Katarakt von einer Linsen-trübung, die infolge einer anderen Augenerkrankung (z. B. der PRA) entstanden ist zu differenzieren, da beim gleichzeitigen Vorliegen einer Netzhauterkrankung die operative Beseitigung der Linsentrübung zu keiner oder nur einer geringradigen bzw. kurzfristigen Verbesserung des Sehvermögens führt.
Wie auch beim Menschen kann die Trübung medikamentell nicht aufgehalten oder gar geheilt werden, so dass der chirurgische Eingriff die einzige Therapiemöglichkeit darstellt. Die Operationstechnik ist die Gleiche wie beim Menschen und als Ersatz des refraktiven Linsenmaterials werden ebenfalls Kunstlinsen in das Auge implantiert.